Marco und Ich

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Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich Marco kennenlernte und andere Fragen zu meiner Person, werde ich es nun doch aufschreiben (wollte ich eigentlich nicht, denn es ist Marco´s Seite und ich wollte sie so lassen wie er sie gestaltet hatte, aber ich hoffe er findet es okay).

Ich wuchs ziemlich behütet auf oder sollte ich lieber sagen ZU behütet. Meine Eltern waren extrem streng, ich durfte nie laut sein, nie mit anderen Kindern spielen und toben und vor allem nie "schmutzig" sein. Ständig lief sie mit einem Waschlappen hinter mir her um mir die Hände oder den Mund abzuwischen. Ich musste jeden Tag 3 Stunden für die Schule lernen, egal ob Wochenende oder Ferien waren, egal ob ich gesund oder krank war. Danach 2 Stunden Klavier spielen und danach hatte ich "Freizeit", das heißt ich durfte Bücher lesen oder mich anderweitig RUHIG beschäftigen. Oft hatte ich das Gefühl, meine Elten hätten mich nur geboren um etwas zum "vorführen" zu haben. Meine Mutter hat mir immer wieder unter die Nase gehalten wie sehr sie sich immer ein Mädchen gewünscht hatte. Und so sollte ich mich ihrer Meinung nach benehmen. Still, freundlich und sauber (natürlich weiß ich heute, daß auch Mädchen nicht immer so sind, aber das war eben das Bild welches ich von meinen Eltern vermittelt bekam).

Als ich älter wurde, entdeckte ich die Computer für mich. Ich saß oft bis spät in die Nacht am Computer. Für Mädchen interessierte ich mich überhaupt nicht. Als ich 20 wurde, fanden meine Eltern, daß es Zeit für mich wurde, mir eine Freundin zu suchen, schließlich wollten sie irgendwann Enkelkinder haben (die Leute im Kegelverein hatten schließlich auch Enkelkinder, und das gehört sich nunmal so).

Um meine Ruhe zu haben, traf ich mich ab und an mit einer Arbeitskollegin. Ich mochte sie immer mehr und sie tat sehr viel für mich. Sie schenkte mir Selbstbewusstsein, sie ging mit mir Klamotten kaufen (mit 21 hatte ich die erste Jeans meines Lebens!). Irgendwann gestand sie mir, daß sie sich in mich verliebt hätte. Bald darauf heirateten wir (es klingt vielleicht absurd, aber ich habe mir nie wirklich Gedanken über MEINE Gefühle gemacht. Sie war zweifelsohne eine tolle Frau, eine tolle Schwiegertochter und sie würde eine tolle Mutter werden, das reichte mir, um mir einzureden ich sei verliebt -> schließlich gehört sich das ja in meinem Alter so).
Fast auf den Tag genau 1 Jahr nach unserer Hochzeit wurde unsere Tochter geboren und 2 Jahre später unser Sohn. Je älter sie wurden, umso mehr entfernte sich meine Frau von mir. Ob es an unseren Kindern  lag? Ich weiß es nicht. Ich glaube, sie wollte damals um jeden Preis Kinder, und als sie diese nun hatte, brauchte sie mich nicht mehr.
Als der Kleine 2 Jahre alt war, ließen wir uns scheiden, blieben aber gute Freunde. Am Wochenende unternahmen wir sehr oft zu 3. etwas und ich fühlte mich wohler als in der Ehe.
Vor 2 Jahren lernte ich durch Zufall Marco kennen. Ich kam von einem Geschäftstermin und war an einem fremden Bahnhof bei McDonalds, als e mich ansprach, er wollte einen 10-Euro-Schein gewechselt haben für den Zigarettenautomaten. Ich weiß nicht warum, aber ich fragte ihn, ober sich zu mir setzt und so kamen wir ins Gespräch. Ich glaube wir saßen fast 3 Stunden und redeten. Ich war fasziniert von ihm, von seinen Augen, seiner Ausstrahlung. Im Laufe des Gespräches erfuhr ich, das er auf der Suche nach einer Schlafgelegenheit war. Ohne zu zögern bot ich ihm an, bei mir zu übernachten, ich hatte ein großes Haus und die Zimmer meiner Kinder wurden ja nur alle 14 Tage genutzt, wenn die Beiden zu Besuch kamen.
Er nahm mein Angebot dankend an.

Aus einer Nacht wurden Monate und aus der angfänglichen guten Freundschaft wurde Liebe. Endlich merkte ich, was mir all die Jahre so sehr gefehlt hatte, wonach ich verzweifelt gesucht hatte. Der Kontakt zu meinen Eltern brach ab, da sie es nicht akzeptieren konnten, daß ich eine Beziehung zu einem Mann hatte. Sie haben Marco nie gesehen, denn spätestens dann wäre es nur wieder zum Streit gekommen und das wollte ich Marco ersparen.
Äußerlich war er das krasse Gegenteil von mir, aber vielleicht war es genau das, was mich so sehr faszinierte. Auch seine Kindheit und sein ganzes bisheriges Leben waren das komplette Gegenteil von meinem, aber wir liebten uns und nur das zählte für uns.
Marco hat mir von Anfang an gesagt, das er HIV-Positiv ist, aber er wirkte so gesund und niemals hatte ich geglaubt, das uns nur noch so wenig Zeit bleiben würde. Er sagte immer, wenn die Krankheit einmal ausbricht, dann wird er sich töten, denn er möchte kein Pflegefall werden und auf fremde Hilfe angewiesen sein. Ich verdrängte den Gedanken und redete mir ein, das es noch Jahre dauern wird und das die Krankeheit womöglich nie ausbricht.

Im Herbst bekam Marco eine starke Erkältung. Durch meine Kinder war ich so einiges an Krankheiten gewöhnt, aber dies war anders. Er bekam immer wieder heftigen Schüttelfrost, sein Fieber ging trotz Medikamenten nicht unter 39°C und mehrmals in der Nacht war er kurzzeitig ohne Bewusstsein. Ich wollte ihn ins Krankenhaus fahren, aber er sagte  ich würde übertreiben und so ließ ich mich überreden bis zum nächsten Morgen zu warten und dann unseren Hausarzt zu bestellen.
Er bekam Antibiotika, welches auch schnell anschlug. Am nächsten Morgen sollte er zur Blutuntersuchung in die Praxis kommen. Als ich mittags von der Arbeit kam, sagte er mir, das er nicht beim Arzt war, er hatte große Hemmungen wegen seiner Narben und außerdem ginge es ihm ja schon wieder besser, versicherte er mir.
Nach ca. 1 Woche war er wieder ganz der Alte, die Erkältung war verflogen und schon bald war die ganze Aufregung (meinerseits) vergessen.

~Fortsetzung folgt~



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